Zum Inhalt | Zur Hauptnavigation |

Mit wem können wir diese Arbeit leisten

Viele Menschen arbeiten mit viel Erfolg in unseren Schulen und vermitteln den Jugendlichen das Rüstzeug für deren private und vor allem berufliche Zukunft.

Viele Hochschulen beschäftigen sich intensiv mit der Beobachtung, Analyse und Auswertung, sie geben Empfehlungen für eine Verbesserung der beruflichen Bildung in Schule und Betrieb.
Förderprogramme der Europäischen Union, des Bundes, des Landes sowie das Engagement von Stiftungen ermöglichen praktische Erfahrungen.

Und dennoch stellen die Beteiligten in Schule und Betrieb immer wieder fest, dass all diese engagierte Arbeit nicht in der wünschenswerten Weise ankommt.

Der Deutsche Werkbund NW befasst sich seit seiner Gründung mit Fragen der Ausbildung und beteiligt sich im Alltag durch seine Mitglieder im Betrieb, der Schule und Hochschule mit der tagtäglichen Umsetzung guter Ansätze.

Zusammen mit der Handwerkskammer Düsseldorf wollen wir uns in stärkerem Maße in die Prozesse zur Verbesserung der Ausbildungsbedingungen einbringen.
Zu diesem Zweck wollen wir, die wir an den Forschungen und Förderprogrammen bisher nicht teilgenommen haben, verstärkt Informationen zusammen tragen, um gemeinsam an einer Umsetzung in praktischen Projekten zu arbeiten und bitten Sie um Kontaktaufnahme für weitere, gemeinsame Überlegungen.

Kontakt: Horst Wolfframm

 

 

Möglichkeiten einer ergänzenden Schulform

Die Realität ist heute oder wird zumindest als Realität kommuniziert, dass viele von den Auszubildenden nicht mehr in der Lage sind aufgrund der schlechten Schulbildung überhaupt eine Ausbildung vernünftig durchzuführen. Das ist eine Sache, die von vielen Ausbildungs-Betrieben beklagt wird und auch die Presse zur Zeit majorisiert. Inzwischen gibt es einzelne Ausbildungs-Betriebe, die Mathematik und Rechtschreiben zusätzlich anbieten, um die Grundlagen für eine Ausbildungsfähigkeit zu schaffen.

Wir sehen als Werkbund in NW auch unsere Aufgabe darin, in diesem Bereich tätig zu werden und wollen zusammen mit der Handwerkskammer, Ausbildungs-Betrieben und uns als Werkbund eine Initiative gründen, um im Bereich von Hauptschulen und Realschulen eine polytechnische Ausbildung anzuregen. Und zwar in der Form gibt es das schon, eine Werk-Realschule, in der in Zusammenarbeit von Ausbildern, Ausbildungs-Betrieben und Schulen die Jugendlichen schon relativ früh an praktische Arbeit und an das Gefühl, in praktischer Arbeit Aufgaben lösen zu können, herangeführt werden.

Die Ausbildung in den herkömmlichen Schulen besteht zur Zeit fast ausschließlich in der Vermittlung von theoretischen Inhalten, ohne dass dort für Schüler eine Relevanz für ihre Zukunft aufgezeigt wird, so dass diese Inhalte nicht genügen, die Jugendlichen in eine berufliche Zukunft hineinzuführen.

Auch die wenigen und zu kurzen Praktika von Schülern in den Betrieben helfen wenig weiter. Im Gegenteil. Auf der einen Seite überfordern sie die Betriebe. Auf der anderen Seite haben die Schüler-Praktikanten meist nur die Möglichkeit, irgendwo daneben zu stehen und zu gucken, was ein Geselle da macht. Die Aufmerksamkeit, die der Praktikant braucht, wird durch den Produktionsdruck, der auf den Mentoren lastet, dem Praktikanten nicht zuteil.

Wir denken daher an eine neue, eine ergänzende Schulform und nennen sie Werk-Realschule,die in den laufenden Schulbetrieb eingegliedert werden kann. Es kann auch eine andere Bezeichnung sein, die das Konzept darstellt.

Deren Träger können und sollten die Schulbehörden und Handwerkskammern sein. Der Schul-Abschluss sollte dem einer Hauptschule oder Realschule ähneln, also eine gute Voraussetzung für eine weitere berufliche Ausbildung bieten.

Die Inhalte sollten weitestgehend denen einer allgemein bildenden Schule entsprechen, aber um Inhalte ergänzt werden, die eine Verbindung mit Tätigkeiten in einem zukünftigen Berufsfeld haben und schon dadurch eine bessere berufliche Perspektive für die jungen Menschen aufzeigen. Und damit könnte bereits in der fünften Klasse begonnen werden.

Durch die aktive Einbindung von Ausbildungs-Meistern und Ausbildungs-Betrieben sowie der Handwerkskammern findet dann automatisch auch eine engere Anbindung an das wirkliche Leben sowohl für die jungen Menschen statt als auch für den Schul-Betrieb.

Alessandro Reuter, ein italienischer Erfinder des späten 18. Jahrhunderts, sagte zum Thema Ausbildung; „Man erstickt den Verstand der Kinder unter einem Ballast unnützer Dinge.“ Zu ergänzen wäre hier, dass man nicht nur den Verstand, sondern vor allem auch Fantasie und Kreativität erstickt.

Für ein solches Projekt braucht man – neben der Zusammenarbeit der genannten Organisationen – auch ein etwas anderes Personal. Das Personal von solchen Schulen sollte nicht nur aus Lehrern bestehen, sondern auch aus Ausbildungs-Meistern, die eine Zusatzausbildung zum Berufspädagogen erhalten haben, aus Sozialarbeitern und aus Sozialpädagogen, um ein ganzheitliches Ausbildungs-Konzept zu erzielen. Und alle sollten gleichberechtigt nebeneinander arbeiten und gleich bezahlt werden. („Keine Zeit mehr für Eifersüchteleien.“ Deutsches Handwerksblatt vom 07.04.2011.)

Im Unterricht sollten handwerkliche Fertigkeiten an Hand von realen Aufgaben kreativ und fantasievoll erobert werden. Fertigkeiten kann man trocken lernen, das heißt, in einer Werkstatt ohne Bezug zu realen Dingen. Oder es müssen Objekte gefunden werden, zum Beispiel Baudenkmäler, Industrie-Objekte und vieles mehr, die im öffentlichen Bereich renoviert und erhalten werden können. Dinge, für die die Öffentlichkeit sonst kein Geld hätte. So gäbe es die Möglichkeit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die Ausbildung der jungen Menschen zu verbessern und gleichzeitig in unserm Umfeld schöne Sachen zu erhalten.

Die Aufgabe des Deutschen Werkbunds sehen wir nicht nur darin, auf ein solches Projekt hinzuweisen, sondern wir werden auch mit allen Möglichkeiten versuchen, es hier in Nordrhein-Westfalen zu unterstützen und zu diskutieren - und bitten bundesweit alle Mitglieder und Landesverbände, in denen Handwerker Mitglieder des Deutschen Werkbundes sind, diese an uns zu kommunizieren, damit wir ein bundesweites Netzwerk der Handwerker aufbauen können.

Aus diesen Erwägungen heraus, die durchaus noch mehr Potenzial haben, soll ein Konzept erarbeitet werden auch von Fachkräften, die mit Kindern und Jugendlichen tagtäglich zu tun haben.

Horst Wolfframm Deutscher Werkbund NW April 2011

Die "DRITTE HAND"

Braucht der handwerklich tätige Mensch die dritte Hand?

Was für eine Frage!

Sie ist der Wunschgedanke für Problemlösungen im Alltag.

Nicht allein der Handwerker wird sie vermissen.

Es muss geklärt werden, wie sie entsteht und wie sie benutzt werden kann.

Ich nenne sie die Kreativität. Sie hat fünf Facetten – oder die fünf Sinne des Menschen.

Wenn das Problem ansteht, kann ich nicht damit anfangen, sie erst aufzurufen. Die Lösung brauche ich sofort, wenn das Problem sichtbar wird.


Beobachtet man ein Kind beim Spielen, wird man erkennen, dass es seine fünf Sinne schon von Anfang an unbewusst gebraucht, um zu erkennen was für das Kind im Augenblick wichtig ist.


Dazu sind folgende Überlegungen hilfreich:
   a) Schärfung, genaues Benutzen der einzelnen Sinne
       durch gezielte Übungen und Reagieren auf Eindrücke
   b) Sammeln von Sinneseindrücken –bewusst und unbewusst-
       z.T. auch Wiederholungen im Laufe der Jahre
   c) Speichern der Sinneseindrücke mit der Möglichkeit sie abzurufen
   d) Verknüpfung der Sinneseindrücke emotional und intellektuell

Sicherlich bleibt nicht aus, die fünf Sinne aufzuzählen, um sie sich noch einmal bewusst zu machen.

Dieser kurze Abriss der Aufzählungen der fünf Sinne bedeutet natürlich nicht deren Vollständigkeit.

Die Summierung der Eindrücke der Sinne und deren Spielarten ergibt in der Handlungsweise die Kreativität, die benötigt wird, um ein anstehendes Problem zu lösen.

Um alle Sinneswahrnehmungen bei Kindern zu wecken, ist es notwendig, frühzeitig zu beginnen.
Spielen und Werken fordert die Fähigkeiten und wird zu handwerklichem Tun.


Sehen
Beobachten ist ein konzentriertes Sehen auf einen Vorgang oder Arbeitsgang oder auf ein Objekt, wobei hier Beispiele zu erläutern sind.

Beim Betrachten einer Häuserfront sollte dem Kind oder dem jungen Erwachsenen altersbedingt Verständnis für die Struktur der Häuserfront und des möglichen Vorgartens durch Hilfestellung ermöglicht werden.

Durch Abzeichnen oder Skizzieren sollen Bilder vertieft werden. Das Vorstellungsvermögen einer zu erstellenden Zeichnung muss ergänzend besprochen werden.

Handwerkliche Vorgänge sollen erkennbar werden, um handwerkliches Vorgehen zu verstehen.

Es wird erkennbar, dass Sehen sehr komplex wird und weitere Sinne einbezogen werden müssen.

Noch ein Beispiel aus dem Handwerklichen: Der Schweißer schweißt zwei Metallwerkstücke zusammen, wobei er das Aufschmelzen der  zu verbindenden Teile beobachtet und einen Zusatzwerkstoff hinzu fügt. Das Schmelzbad wird unter verschiedenen Aspekten beobachtet  z.B. gleichmäßiger Fluss des geschmolzenen Materials. Durch den geschärften Sinn des Sehens merkt er, ob sich Einschlüsse einmischen. Diese Fehler zu vermeiden, wird die schweißende Person wissen, dass Fehler die Schweißnaht in der Qualität beeinflussen.

Sicher ist das Sehen nicht allein zuständig. Es wird klar, dass die anderen Sinne mit gefordert sind. Sehen und Hören spielen hier vornehmlich zusammen. Auch die Vorstellung des Vergleichens ist ein innerliches Sehen (das Vorstellungsvermögen), das durch Fantasie ergänzt wird.

Hören
Prädestiniert für diesen Sinn sind hier die Musiker. Der Gehörsinn ist hier besonders ausgeprägt und geschärft; wobei die Ausbildung schon frühzeitig beginnt und da schon zu erkennen ist, wieweit Klangkörper und Musik verstanden werden können.

Im Handwerk gibt es Berufe, bei denen das Hören als wichtiger Sinn besonders beansprucht wird.

Soll eine Diagnose gestellt werden, bei der defekte Teile gesucht werden, so ist konzentriertes Hören notwendig. Versucht der Handwerker die defekte Stelle zu orten, werden andere Sinne, vornehmlich des Sehen, zusätzlich zum Hören herangezogen. Er wird seine Augen zu Hilfe nehmen, um die defekte Stelle zu orten.

Hören und Sehen sind hier nötig, damit der Handwerker zu einer Erkenntnis kommt, bei der er auf die Mitwirkung des Verstandes angewiesen ist, um zu einer befriedigenden Lösung des Problems zu kommen.

Riechen
Zum Riechen wird der Mensch nicht unbedingt aufgefordert. Der Geruch ist vielmehr eine Wahrnehmung, die die Erinnerung fragt, womit werde ich im Augenblick konfrontiert.

Ist der Geruch angenehm oder signalisiert er Gefahr oder Ekel.

Der Riechsinn ist dabei zuerst angesprochen, der Verstand wieder dazugenommen, um seine gespeicherten Erfahrungen hinzu zu ziehen.

Schmecken
Die alltägliche Nahrungsaufnahme lässt Schmecken zu einer herausragenden Sinneswahrnehmung werden. Wobei Riechen und Schmecken als sehr nahestehend empfunden werden. Im handwerklichen Bereich kommt einem sicher der Koch in den Sinn. Der Koch sollte sich schon einen ausgeprägten Geschmack erwerben, um auf seine Erfahrungen zurückgreifen zu können, um seiner Berufung als Koch gerecht zu werden. Eine frühe Berührung mit dem Kochen ist sicherlich als Ansammlung von Erfahrung notwendig, um Rezepte durch eigene Kreativität zu prägen.

Ohne Frage gehören Riechen und Sehen zu wichtigen Wahrnehmungen eines Koches.

Tasten
Die Haut ist das größte „Organ“ des Menschen und kann vieles wahrnehmen.

In vielen handwerklichen Berufen wird getastet, um Eigenschaften von Material, Festigkeit, Oberflächengestaltung und Design zu erkennen.

Beim Tischler steht am Ende der Herstellung eines Objekts ein Tasten, eine Berührung der Oberflächen mit der Hand, um festzustellen, ob das Objekt fertig und in Ordnung ist.

Die tastende Hand mit ihren fünf Fingern ist wohl der bemerkenswerteste  Teil des menschlichen Körpers, der Informationen gibt und empfängt, deren Berührung Emotionen auslöst.

Wer ein Handwerk als Beruf wählen möchte, muss alle seine Sinne mit allen Möglichkeiten schärfen.

Der unbewusste Zugriff auf die Sinneseindrücke bei einer Aufgabenstellung in Verbindung mit

    Fantasie
    handwerklichem Können
    intellektuellen Überlegungen
    angemessener Reaktion
    emotionaler Zugewandtheit

ermöglicht, zu einem kreativen Ergebnis zu kommen.

Wo liegt hier der Zusammenhang mit der „dritten Hand“:

Hier könnte die oft dringend gebrauchte, nicht tatsächlich existierende Hand, durch die fünf Sinne – analog der fünf Finger- sichtbar gemacht und benutzt werden.

Das bedeutet, dass jeder Mensch, also auch jeder Handwerker, diese „dritte Hand“ nutzen kann, wenn die Voraussetzung für deren Benutzung frühzeitig geschaffen worden ist.

Horst Wolfframm Deutscher Werkbund NW Mai 2012


Zum Inhalt | Zur Hauptnavigation |