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Offener Brief an den Bonner Oberbürgermeister

Ein offener Brief der Mitglieder des Kuratoriums des Vereins ProBeethovenhalle an den Bonner Oberbürgermeister. Sie begrüßen die Entscheidung des Bonner Stadtrats vom 24.11.2011 die Halle zu erhalten, wenn auch eine Entscheidung zur Nutzung erst im Juni 2012 getroffen wird, und geben Anregungen für eine denkmal-schützende Sanierung. 

Die gesamten Brief des Kuratoriums vom 01.03.2012 als PDF lesen

Offener Brief an die Redaktion des General-Anzeigers Bonn

Bonn, 30. März 2010

Sehr geehrte Redaktion,

so sehr wir Ihr journalistisches Gespür bei der Aufdeckung des Skandals um das WCCB bewundert haben, so wenig überzeugt uns Ihre Haltung zur Beethovenhalle. Sie stimmen leider in den Chor derer ein, die, angeführt von der mit der Post AG eng verbundenen Monika Wulf-Mathies, die Beethovenhalle schlecht reden, weil sie als Konzerthaus nicht bestimmten Standards entspricht, die Aufrüstung zu teuer wäre und die Halle deswegen zugunsten des Festspielhauses abgerissen werden sollte.
Der neue Kronzeuge: Kurt Masur. Dass die Beethovenhalle immer noch ein respektables Konzerthaus ist, zeigte da Abschlußkonzert des Deutschen Musikwettbewerbs 2010 des Deutschen Musikrats. Dass sie noch höheren Ansprüchen nicht entspricht, können wir als Experten für Architektur und Stadtgestaltung genau so wenig beurteilen wie Herr Masur die Entwürfe für das Festspielhaus.
Thomas Kliemann hatte mit Recht darauf hingewiesen, es ist eine Spektakelarchitektur, zweite Wahl gegenüber dem behutsameren Entwurf von David Chipperfield, der die Beethovenhalle unangetastet läßt. Dass wir trotzdem für Zaha Hadid und Hermann & Valentiny eintreten, liegt daran, dass es sich auch bei der zweiten Wahl noch um große Architektur handelt. Die Befürworter des Erhalts wertet z.B. Herr Kliemann mit dem schönen Satz von 'Denen, die Hallen-Nostalgie höher bewerten als die Konzertqualität der Zukunft'. Die Gründe liegen anders und die Frage ist, warum der GA auf diese nicht eingeht, warum er sich nicht von dem entweder-oder löst und auf der Schiene argumentiert 'Beethovenhalle und Festspielhaus'. Für die Beethovenhalle neben dem Festspielhaus gilt dann, sie bleibt, wofür sie konzipiert ist, Mehrzweckhalle, nur unter Ausschluss der E-Musik. Von der Aufrüstung für die höheren Weihen der E-Musik ist nicht mehr die Rede, die Kosten sind entsprechend niedrig.
Der GA könnte zur Debatte stellen, wie sie sogar auf Null reduziert werden könnten gemäß dem Vorschlag des Bürgerbundes Bonn, die Halle zu privatisieren und dafür dem Investor die Gelegenheit zu geben, die Halle mit erstklassiger Architektur zu umbauen. Das Problem für das Festspielhaus: der Standort. Der Architekt J. Decker vom Bürgerbund Bonn hat den gut durchdachten Vorschlag gemacht, das Festspielhaus am Rhein in der Nähe des Posttowers zu errichten, gute Architektur zu guter Architektur zu stellen statt der mittelmäßigen Nordstadt als Umgebung. Der 'Express' hat darüber ausführlich berichtet. Dem GA war der Vorschlag nur eine kurze Randnotiz wert, das Eintreten des Deutschen Werkbund dafür nur eine abfällige Bemerkung. Warum z.B. bringt der GA nicht ein Interview mit Herrn Decker zu diesem Thema. Was noch dazu kommt: Nach dem Abriss der Beethovenhalle steht für die Bauzeit kein Konzerthaus mehr zur Verfügung. Herr Masur und der Deutsche Musikwettbewerb hätten das Nachsehen. Es ist gar nicht sicher, dass das Festspielhaus hält, was man sich von ihm verspricht. Die Querelen um die Elbphilharmonie in Hamburg sollten das Fürchten lehren. Vielleicht bemängelt Herr Masur auch dann wieder die Akustik.

Mit freundlichen Gruß
Dr. Walfried Pohl, Bonn
Vorstand Deutscher Werkbund Nordrhein-Westfalen


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