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Auszug (Video-Aufnahmen) aus den Bürger-Beiträgen der vorgezogenen Bürger-Anhörung in der Clauberg-Halle

Duisburg am 2. März 2012.

von Prof Dr. Roland Günter

   Ich bin Professor Roland Günter. Von der Süddeutschen Zeitung werde ich als Stadtplanungsanalytiker bezeichnet.
   Der Stadtdirektor spricht von Abwägen. Das hätten sie sorgfältig getan. Ich kann nur sagen: Was uns hier vom Investor vor Augen geführt wurde, ist eine Augenwischerei, wie sie seit 20 Jahren für allerlei Projekte dieser Art vorgeführt wird. Das ist Augenwischerei.
   (Anhaltender Beifall.)
   Der Standort ist denkbar ungünstig. Er ist überhaupt nicht so gut, wie er schön geredet wird. An der Weseler Straße können Sie den versprochenen Boulevard nicht anlegen, dort gibt es verengende Brückenpfeiler. Es ist Unsinn, zwischen Marxloh und Hamborn ein drittes Zentrum anzulegen. Sie kennen wahrscheinlich alle das Gutachten, das die Niederrheinische Handelskammer hat machen lassen. Es ist hervorragend. Lesen Sie es alle. Es sagt, dass mit einem Outlet die Innenstadt unglaublich verliert. Ich verstehe überhaupt nicht, dass die Stadt sich dies antut.
   Was die Abgewogenheit angeht, kann ich Ihnen sagen: Kein Richter wird das Projekt als abgewogen befinden. 400 Wohnungen und tausend Menschen, im übrigen auch ein Baudenkmal von einem der berühmtesten Architekten des 20. Jahrhunderts, von Max Taut, gegen Parkplätze für ein Outlet ?
   (Anhaltender Beifall.)
   Wie kommen Sie dazu, den Ratsmitgliedern den Namen des Architekten Max Taut zu verschweigen ?
   Sie wussten es nicht ? Das ist ignorant.
   Mit Abgewogenheit hat die Planung überhaupt nichts zu tun.
   400 Wohnungen mit 1 000 Menschen für ein Outlet zu zerstören,  ist eines der größten stadtplanerischen Verbrechen in Mitteleuropa.
   (Besonders starker und anhaltender Beifall.)
   Nirgendwo anders in Mitteleuropa gibt es zwei Flächen-Zerstörungen – auch noch zwei ! – dies macht das Image von Duisburg nach außen kaputt. Streichen sie das Projekt. Dann können Sie sagen: Wir kapieren endlich. Wir verändern unser Denken. Und wir arbeiten dann an einem besseren Ruf für Duisburg.
   Sie sollten das begreifen. Sie sollten dies verändern. Sie sollten dies drehen.
   Christoph Zöpel ist hier gewesen, Oberbürgermeister Krings war hier, Sie haben es hier verstanden.
   Christoph Zöpel hat mit dem Stadtdirektor Greulich geredet. Er hat sich keinen Millimeter bewegt. Er ist ein Betonkopf, ein grüner Betonkopf.
(Anhaltender Beifall.)
   Und dabei sind auch noch Sozialdemokraten. Nicht mal in Spuren-Elementen  ist da etwas von sozialdemokratisch und von grün zu erkennen.
   (Anhaltender Beifall.)
   Wir befinden uns hier im Streik. Wir werden zeigen: ähnlich wie man ein Werk bestreikt, so werden wir auch einen Wohnungsbereich bestreiken.
   (Beifall.)
   In der nächsten Wahl werden wir alle diese Leute, die hier als Agenten des Investors auftreten,  genauso wenig wählen wie bei der Abwahl des Oberbürgermeisters. Wir werden sie nicht mehr wählen. Wir werden sie abwählen.
   (Besonders lang anhaltender Beifall.)
   Ich kann Ihnen nur raten, wenn Sie Ihre Haut d. h. Ihre Karriere retten wollen, dann kapieren sie, dass es der Zorn des Volkes war, der zur Abwahl des Oberbürgermeisters geführt hat.
   (Lang anhaltener Beifall.)


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