Zum Inhalt | Zur Hauptnavigation |

Projekt Umwandlung Kirchen

Kirche als Bibliothek in Maastricht, NL

   Kirchen gehören zum wichtigsten kulturellen Bestand von eineinhalb Jahrtausenden abendländischer Geschichte. Man muß kein Mitglied einer Kirche sein, um zu erkennen, daß eine Kirche in einem Dorf und in einer Stadt ein Fokuspunkt der Kultur des Ortes war. Darin wurde ein erheblicher Teil der kulturellen Schätze aufbewahrt: in der Architektur- und in der Bilderwelt.

Jährlich schließt die Evangelische Kirche im Rheinland rund zehn Kirchen. Doch viel mehr Gebäude werden umgestaltet.
   Dies ist weitgehend in der Hand der Bau- und Liegenschaftsdezernentin Gudrun Gotthard.
   Die Sanierung der Jesus-Christus-Kirche in Duisburg erhält 2012 einen Architekturpreis der Kirche. Sie geschah mit sparsamen Eingriffen.
   Gudrun Gotthardt über den Denkmalschutz: „Viele Gemeinden tragen schwer an der Last der vielen historischen Kirchen aus den vergangenen Jahrhunderten.“ Etwa jede zweite Kirche sei denkmalgeschützt. „Wir wehren uns nicht gegen den Erhalt des kulturellen Erbes,“ so Gotthardt. Doch die Denkmal-Förderung des Bundes decke nicht annähernd die Kosten. Und in NRW gibt es die Neigung, weitere Gebäude unter Schutz zu stellen – etwa  „bautechnisch durchaus anfällige Gebäude der 1960er und 1970er Jahre.“ Dies stelle Gemeinden vor Probleme, „für deren Lösung ich bisher keinen Silberstreif am Horizont sehe.“

Im Bistum Essen wird ein Drittel aller katholischen Kirchen aufgegeben.

Kirchen - Plätze im öffentlichen Raum.

Kirche als Buchhandlung in Maastricht, NL

Kirchen - Plätze im öffentlichen Raum.

34. Bochumer Stadtgespräch.
Vortrag in der Evangelischen Stadtakademie in Bochum am 8. Mai 2007
von Prof. Dr. Roland Günter

Inhalte u.a.:

- Das Tabu des Heiligtums.
- Der Bruch des Tabus.
- Die kulturgeschichtliche Dimension.
- Die Dimension der Stadt-Entwicklung.
- Kritik und Erweiterung der Denkmalpflege.
- Über den Mangel an Phantasie und wie man sich selbst im Weg stehen kann.
- Einige Beispiele für Neu-Nutzungen.
- Einige Beispiele für erweiterte Nutzungen von Kirchen.
- Ein Vorschlag des Deutschen Werkbunds NW.

Den ganzen Vortrag als PDF lesen

Sakraler Raum ist öffentlicher Raum. Die Preisgabe von Kirchengebäuden eröffnet auch Chancen

Adam Amstelfeld Kirche als Büros

von Wolfgang Pehnt (dwb)

Öffentliche Diskurse nehmen ihren eigenen, unvorhersehbaren Gang. Dass die beiden großen Amtskirchen viele ihrer Gebäude nicht mehr nutzen können, zeichnete sich seit Jahrzehnten ab. Fachzeitschriften und Kirchbautage haben seit langem darüber diskutiert.
Der Europarat hatte schon 1986 eine Kommission zum Problem der „überzähligen religiösen Gebäude“ eingesetzt, in deren Bericht von tausenden leer stehender, umgewidmeter oder veräußerter Kirchen die Rede war. Erst als im letzten Jahrfünft die Bagger auch vor bedeutenden Kirchbauten wie denen von Rudolf Schwarz und Reinhard Hofbauer in Berlin auffuhren, rückte das Thema der gefährdeten Kirchen auf die Agenda.

Leere Gotteshäuser Nichts hat sich seitdem gebessert. Das bauliche Erbe der christlichen Vergangenheit, in Deutschland etwa 24 500 Gotteshäuser der katholischen Kirche und 21 000 der evangelischen Landeskirchen, ist einer Generation überantwortet, die vor völlig neuen Problemen steht. Beide großen Konfessionen sehen sich Entwicklungen gegenüber, die sie in der Substanz treffen. Um 1950 teilte sich die deutsche Bevölkerung paritätisch in Katholiken und Protestanten. Heute sind knapp ein Drittel Katholiken, knapp ein Drittel Protestanten, aber mehr als ein Drittel Angehörige anderer Bekenntnisse – vor allem Muslime - oder Religionslose. Von den Kirchenangehörigen besucht an gewöhnlichen Sonntagen nicht mehr die Hälfte die Gottesdienste wie noch 1950, sondern nur noch ein Bruchteil – in den evangelischen Kirchen 4 Prozent. Demografische Entwicklungen, Austritte aus den Kirchen, Zuwanderung nichtchristlicher Bevölkerungsgruppen, die noch immer und schon wieder hohe Arbeitslosigkeit und Veränderungen im allgemeinen Steueraufkommen ließen die Einkünfte aus Kirchensteuern dramatisch zurückgehen. Die Haushaltslage der meisten Diözesen und Landeskirchen ist besorgniserregend bis desolat. Es gibt weniger Menschen, und es gibt weniger aktive Christen. Diese Verluste sind nicht nur eine Sache der Statistik. In den Zivilgesellschaften der westlichen Welt hat die Kirche ihren Alleinvertretungsanspruch als sinngebende Instanz verloren, wie er sich eindrucksvoll in den türmereichen alten Stadtbildern niederschlug. Man wird nicht mehr wie selbstverständlich in eine religiöse Schicksalsgemeinschaft mit ihren Sinnangeboten, Heilsversprechen und trostreichen Ritualen hineingeboren, die jedermann von der Taufe bis zu den Exequien begleiteten. In Gefahr sind nicht die Kathedralen und Stiftskirchen, die unsere historischen Städte geprägt haben. Was den Eingang in Dehios Handbuch der Kunstdenkmäler gefunden hat, ist in der Regel auf der sicheren Seite. Da kann der Denkmalschutz auch in Übereinstimmung mit der vorherrschenden öffentlichen Meinung handeln. In Gefahr sind aber die unscheinbaren Dorfkirchen, die aufwändigen, historistischen Stadtpfarrkirchen aus dem späteren 19. Jahrhundert (deren Erhalt besonders teuer kommt) und vor allem die Bauten aus den zwanziger und frühen dreißiger Jahren und der Nachkriegszeit. Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass bei der Auflassung von Kirchen eine Aversion gegen die Moderne und die Modernisierungsbestrebungen innerhalb der Konfessionen im Spiel ist. Das erst in den 1950er Jahren gegründete Bistum Essen, das eine besonders schonungslose Öffentlichkeitspolitik betrieben und damit viel Kritik auf sich gezogen hat, glaubt fast ein Drittel seiner Kirchbauten nicht mehr halten zu können. Von den fraglichen 96 Kirchen, die in den Verlautbarungen der Diözese euphemistisch “weitere Kirchen“ genannt werden, sind 73, also drei Viertel, nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Damals ist zu viel gebaut worden, als dass es sich nur um kunsthistorisch und städtebaulich unentbehrliche Architekturen gehandelt hätte. Aber darunter befinden sich auch künstlerisch und liturgiegeschichtlich bedeutungsvolle Bauten von Meistern wie Karl Band, Dominikus und Gottfried Böhm, Gisbert Hülsmann, Josef Lehmbrock, Fritz Schaller oder Rudolf Schwarz. Anders als die vielteiligen neoromanischen oder neogotischen Bauten des 19. Jahrhunderts boten die großen, auf den Altar zentrierten Einheitsräume zeitgenössischer Kirchen der privaten Innerlichkeit keine Flucht-Räume. Diese Einheitlichkeit - „ein Gott, eine Gemeinde, ein Raum“ - , die zur Konzentration zwingenden, von Ornament und Bauzier befreiten Wände und in vielen Fällen der ungeliebte Sichtbeton mögen zur Ablehnung solcher aus der Liturgischen Bewegung entstandenen Gotteshäuser geführt haben.

Möglichkeitsorte Wo Äußerungen zu dem Schicksal der christlichen Kirchen laut wurden, war der Ton der Klage vorherrschend. Aber wie wäre es, wenn man in diesen oftmals großartigen Räumen nicht die drohende Gefährdung sähe, sondern die Chancen? Wenn man sie in erster Linie nicht als bedrohte Kultstätten betrachtete, die es zu verteidigen gilt, sondern als Möglichkeitsorte, als Aufforderungen zu Kreativität, als Einladung, über neue Formen urbaner Ingebrauchnahme nachzudenken? Historische Stadtpläne und -ansichten zeigen, wie sehr sich in der alten Stadt Profanes und Sakrales mischten. Die Kölner behaupteten, sie hätten an jedem Tag des Jahres, 365 mal also, eine andere Kirche aufsuchen können. Jedenfalls gab es im Weichbild der Altstadt viermal so viele Sakralbauten wie heute. Die meisten dieser Gotteshäuser - um die einhundert - verlor die Stadt nicht erst durch den Zweiten Weltkrieg, sondern durch die Säkularisierung zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Für Rom zeigt der berühmte Stadtplan aus dem Jahre 1748, den Giovanni Battista Nolli gestochen hat, die feinkörnige Durchdringung der alten Stadt mit religiösen Bauten: eine oder mehrere Kirchen, Kapellen oder Oratorien in jedem Straßengeviert. Nolli machte den Benutzern seiner Pianta Grande di Roma noch etwas anderes deutlich. In seinen Augen waren diese sakralen Gebäude Räume der Öffentlichkeit. Er kennzeichnete sie ebenso wie die allgemein zugänglichen Straßen, Gassen und Plätze als weiß belassene Flächen, die dem Publikum zur Verfügung standen. Die eingedeckten Kirchensäle wurden gleichbehandelt mit den Freiräumen unter offenem Himmel und bildeten mit ihnen ein unwahrscheinlich fein gewobenes Netz öffentlicher Stadträume. Alles andere, die private Baumasse des urbanen Rom, ist bei Nolli grau schraffiert: Off limits. Nollis Analyse bestätigt sich im tatsächlichen Gebrauch historischer Kirchenräume. Auch in Zeiten ihrer unangetasteten sakralen Nutzung waren Kirchen öffentliche Orte für viele Zwecke. Sie bargen, beispielsweise, Bühnen: Aus der Liturgie besonders der Ostertage gingen geistliche Spiele hervor. In den Narrenspielen nahmen sie groteske Ausmaße an, flagrante Verstöße gegen unsere heutigen Vorstellungen von sakraler Würde. Es waren Schauplätze von Rechtshandlungen: Der Lettner, die Abschrankung des Priester- und Mönchsraums vom Laienraum, war ein Ort der Gesetzes- und Urteilsverkündung, auch weltlicher Urteile. In der Lübecker Marienkirche wird eine Kapelle die „Briefkapelle“ genannt, weil in ihr Notare Urkunden verbrieften. Von Freiburg weiß man, dass im Chor des Münsters - also nicht einmal im Laienbereich - Eigentumssachen verhandelt und Versteigerungen nach Schuldfällen verkündet wurden. Dass staatliche Handlungen wie die Wahl und die Krönung von Königen und Kaisern in Kathedralen stattfanden, verstand sich von selbst, da sich in solchen Zeremonien säkulare und sakrale Funktionen überschnitten. Auch Ratsversammlungen und andere politische Gremiensitzungen fanden in ihnen statt. Streitgespräche und wissenschaftliche Dispute hatten seit jeher in Kirchen ihren Ort. Im Langhaus des Kölner Domes, das bis ins 19. Jahrhundert nicht fertig gestellt war, wurden mehrmals provisorische Aulen für juristische Promotionen aufgebaut. Die hochberühmte Biblioteca Palatina, die kurfürstlich-pfälzische Bibliothek in Heidelberg, war bis zum Dreißigjährigen Krieg auf den Emporen der Heidelberger Heiliggeistkirche untergebracht. Aus der karitativen Tätigkeit der geistlichen Stiftungen ergab sich, dass Kirchen als Orte der Armenfürsorge wirkten, Tagungsstätten von Bruderschaften darstellten, als Pilgerherberge dienten, Schutz und Asyl für Verfolgte boten. Die Kirche war Freistatt, war es noch in den letzten Tagen der DDR. Doch auch Feste, Bankette und repräsentative Veranstaltungen der Bürgergemeinden wurden in Kirchen begangen; schließlich boten sie vor der Errichtung moderner Stadthallen die geräumigsten Säle am Platze. „Ein Kirchenbau ist nie nur, was er ist“, schrieb der Hamburger Theologen Fulbert Steffensky. Bei der zunehmenden Säkularisierung der Gesellschaft sind die einst engen Symbiosen von Sakralbau und Stadt nicht mehr zu erwarten. Doch für die Vorstädte und Stadtrandsiedlungen, die Ende des 19. und im 20. Jahrhundert entstanden, übernahmen Kirchen nach wie vor eine identitätsstiftende Rolle. In Suburbia sind Kirchen und Gemeindebauten oft das einzige, was Ortskerne bildet. Denn das Rathaus ist längst der Gemeindereform zum Opfer gefallen, die lokale Schule ist im entfernten Schulzentrum aufgegangen, die kleinen Läden hat das Einkaufszentrum zehn Kilometer weiter um ihre Existenzgrundlage gebracht, und das örtliche Kino wurde zugunsten des Multiplex zwanzig Kilometer weiter geschlossen. Mit den Kirchbauten sind die individuellen Biografien der Bewohner in ihren existentiellen Augenblicken verknüpft: bei Taufe und Firmung oder Konfirmation, bei Hochzeit und Tod. Nach wie vor leisten Kirchen nicht nur geistliche, sondern auch soziale Dienste, kümmern sich um Kinder und Mütter, um Jugendliche und Alte, um Menschen, die aus der bürgerlichen Konvention gefallen sind. Sie bieten Treffpunkte, Versammlungsorte, Stätten der Begegnung, Pfarrbüchereien, Konzerte und Ausstellungen. Und sie erfüllen diese Aufgabe, diese Kultur-Arbeit, mit gestalterischem Anspruch. In den trostlosen Satellitenstädten am Großstadtrand sind sie oft die einzigen Orte, die stadträumliche und architektonische Qualitäten bieten.

Was tun mit dem Erbe? Im Umgang mit aufgelassenen Kirchen hat sich eine Hierarchie von Maßnahmen eingespielt. Als wünschenswert gilt, nach den kirchlichen Sondernutzungen wie City-Kirche, Jugendkirche oder Begräbniskirche und Kolumbarium, die Umnutzung für gemeindenahe Aufgaben. Wenn Grundstücke aus Kirchenbesitz aufgegeben werden, ist es allemal besser, für soziale oder karitative Aktivitäten Räume innerhalb der bestehenden Kirchengebäude zu schaffen, als auf Gotteshäuser zu verzichten und Nebengebäude zu erhalten. Muss verkauft werden, gilt die Übereignung an andere, christliche Religionsgemeinschaften als der drittbeste Fall. Eine Übereignung an nichtchristliche Glaubensgemeinschaften, gar an muslimische, wird in den Handreichungen der katholischen wie der evangelischen Kirche ausgeschlossen. Wären frühere Jahrhunderte ähnlich verfahren und hätten die Tempel und Gotteshäuser beim Wechsel zu einer anderen Religionsgemeinschaft aufgegeben statt sie ihren Bedürfnissen anzugleichen, hätten auch Parthenon und Erechtheion nicht überdauert. Neben karitativen und sozialen Aufgaben der Gemeinden scheint vor allem in kulturellen Bestimmungen die Rettung zu liegen. Schon nach dem Zweiten Weltkrieg sind Kirchen in Citylagen, wo Wohnbezirke von Büro- und Geschäftsflächen verdrängt wurden, zu Museen oder Konzerthäusern gemacht worden. Aus dem Kontrast zwischen ehrwürdigen alten Gehäusen und neuen Einbauten ergaben sich reizvolle Lösungen: Bibliothek und Veranstaltungsräume wie im märkischen Müncheberg, als großer bauchiger Container dem gotischen Mauerwerk von St. Marien eingepasst. Oder der Konzertsaal in Neubrandenburg, wo Parkett und Tribüne berührungsfrei in die Schale einer ehemals dreischiffigen gotischen Halle eingelassen sind. Doch so viele Kultureinrichtungen werden nicht gebraucht, wie es überzählige Sakralbauten gibt. Man muss sich bescheiden, wenn auch weniger gediegene Nutzungen in die nicht mehr benötigten Gebäude einziehen. In niederländischen Kirchen werden Babybedarf oder Einbauküchen verkauft, Diskotheken betrieben, fahren Lokalsender ihr Hörprogramm, richten sich Supermärkte, Sparkassen, Arztpraxen, Kneipen und Esoterik-Anbieter zwischen Altar und Taufstein ein. Man ist im nordwestlichen Ausland weniger heikel als bei uns. Dass man in einer Kirche beispielsweise gediegen speisen kann, ist hierzulande eine Ausnahme. Soll man solche Profanierungen als Rettung der Bausubstanz begrüßen, oder ist bereits die Grenze ins Nicht-mehr-Zumutbare überschritten? Der Bauhistoriker, der weiß, wo Munitionsdepots, Kasernen, Krankenhäuser, Manufakturen und Proviantlager historisches Bauwerk vor der Zerstörung gerettet haben, versagt sich jeden Hochmut. Auch im Kölner Dom, in Revolutionszeiten ein Fouragemagazin, standen Napoleons Pferde. Verloren ist erst jener Bau, der zu gar nichts mehr nutze ist, nicht einmal zu einem Pferdestall. Wenn Kirchen seit je auch als öffentliche Räume wahrgenommen und genutzt worden sind, warum sollten wir diese Lehre der Geschichte nicht akzeptieren? Im Deutschen Werkbund hat Roland Günter den Gedanken aufgebracht, aufgegebene Kirchenräume als öffentliche Räume, als überdachte Piazza in Gebrauch zu nehmen. In Zeiten, in denen der öffentliche Raum immer mehr aus Einkaufszentren besteht, wo das Hausrecht des Betreibers gilt, würden solche frei zugänglichen Schutzzonen an das alte Asylrecht in Kirchenräumen erinnern. In ihnen könnten sich Aktivitäten, geplant oder ungeplant, einlagern. Als exterritoriales Terrain könnten sie auch frei von Nutzung bleiben, in schierem Raumüberfluss. Wer weiß, vielleicht wird auch die frei schweifende, vagabundierende Religiosität, die sich anderenorts bei Kirchentagen, Weltjugendtagen oder Papstwahlen überwältigend Bahn bricht, einmal wieder solche Orte aufsuchen. Eine solche Politik des Offenhaltens muss man politisch mit ganzer Kraft betreiben. Denn die amtlichen Hürden in Gestalt von Stellplatzverordnung, Brandschutz, Versammlungsstättenordnung, Verkehrssicherungspflicht, Gewerbeaufsicht, Gebäudeversicherung und sofort liegen hoch. Die Kirchen wären als Träger überfordert. Dazu müssten sich Partnerschaften zwischen kommunal-bürgerschaftlichem Willen und privatem Engagement bilden. Friedrich Nietzsche hat den Wunsch artikuliert: „Es bedarf einmal und wahrscheinlich bald einmal der Einsicht, was vor Allem unseren großen Städten fehlt: stille und weite, weitgedehnte Orte zum Nachdenken, Bauwerke und Anlagen, welche als Ganzes die Erhabenheit des Sich-Besinnens und Bei-Seite-Gehens ausdrücken.“ Aber diese „Bauwerke und Anlagen“ sind schon da. Sie müssten nur genutzt werden.
Prof. Dr. Wolfgang Pehnt

Gekürzte Fassung eines Vortrags, den der Autor am 31.01.2009 vor dem Bayerischen Werkbund in München gehalten hat.

Die Internseite von Prof. Dr. Wolfgang Pehnt:
www.pehnt.de


Zum Inhalt | Zur Hauptnavigation |