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Gestalten - 
Thema einer handwerklichen Ausbildung

Beruf als Lebensgefühl
Eine Möglichkeit, seinen Beruf als Lebensgefühl zu erleben und zu gestalten, bietet die Welt um die Jugendlichen herum. Ihr Lebensraum, ihre Heimat, vielleicht auch die Wahlheimat ihrer Eltern sollen erfahrbar werden durch

  • Kennen lernen der Architektur ihres Umkreises
  • Erleben der Urbanität und des Dörflichen um sie herum
  • Teilnehmen an kulturellen Veranstaltungen
  • Besuch von verschiedenen Museen,

aber vor allen Dingen durch eigenes Gestalten von Objekten, die in der Öffentlichkeit betrachtet werden können. Ein Gefühl der Sicherheit und Zugehörigkeit, das sich auf Orte und Industrien, aber auch auf den Beruf und dessen Möglichkeiten bezieht, wird schon dadurch während der Ausbildungszeit gebildet.

Du bist ein Wunder

Jede Sekunde, die wir leben, ist ein neuer und einzigartiger Augenblick im Universum, ein Augenblick, der nie wieder sein wird. ... Und was lehren wir unsere Kinder?

Wir lehren sie, dass zwei und zwei vier ergibt und dass Paris die Hauptstadt von Frankreich ist. Wann werden wir sie lehren, was sie sind? Wir sollten zu jedem von ihnen sagen: Weißt du, was du bist? Du bist ein Wunder. Du bist einzigartig.

In all den Jahren, die vergangen sind, hat es nie ein Kind wie dich gegeben. Deine Beine, deine Arme, deine geschickten Finger, die Art, wie du dich bewegst.

Aus dir könnte ein Shakespeare werden, ein Michelangelo, ein Beethoven. Du hast die Fähigkeit zu allem. Ja, du bist ein Wunder. Und wenn du aufwächst, kannst du dann jemandem Schaden zufügen, der wie du ein Wunder ist?

Du musst daran arbeiten – wir alle müssen daran arbeiten –, damit die Welt ihrer Kinder würdig wird.

Pablo Casals

Wege und Voraussetzung
in der Bauhauspädagogik

Die Bauhauspädagogik ist ein sehr komplexes Konzept in der Ausbildung.

In den Unternehmen wäre es nicht sehr wahrscheinlich, diese Schritte einer Ausbildung vorauszuschicken. Es müssen die Voraussetzungen für die Jugendlichen vor der eigentlichen Ausbildung geschaffen werden, um sie für die Ausbildung zu befähigen. Anforderung und Voraussetzung stehen in engem Zusammenhang.

Diese Erkenntnisse sind nicht neu, schon der Werkbund vor 100 Jahren versuchte, die Bedeutung des manuellen Tuns im Werkunterricht zu etablieren. Später zeigte das Bauhaus, dass die Entwicklung einer Reform der Ausbildungspraktiken anstand. Die Anforderungen verlangten neue Ansätze, über die außerhalb der formalistischen Ausbildungsvorgaben nachgedacht werden musste.

Schriften von Rainer Wick „Bauhauspädagogik“ und Karl Frey „Die Projektmethode“ haben sich ausführlich mit dem Thema Ausbildung beschäftigt. Die Gedanken fanden aber nur zögerlich Eingang in die praktische Ausbildung. Die schlechte wirtschaftliche Lage Ende der 1970er Jahre in der Bundesrepublik zeigte, dass man in der Ausbildung im handwerklichen Bereich nach Wegen suchen musste, um den Nachwuchs, der keine Lehrstelle fand, zu fördern.
In neu entstandenen außerbetrieblichen Ausbildungsstätten bestand kein Produktionsdruck. Die Ausbildungsbewerber (Teilnehmer) hatten nach etlichen Bewerbungen und Werksprüfungen in der freien Wirtschaft keinen Ausbildungsplatz finden können. Die Schwierigkeiten in der pädagogischen Begleitung in der außerbetrieblichen Ausbildung wurden in allen Ausbildungsbereichen erkennbar.

Dem musste größere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Es wurde schon sichtbar, dass der Anspruch an die Auszubildenden und deren Voraussetzungen nicht vereinbar waren. Hier zeigte sich, dass die außerbetrieblichen Einrichtungen ein Meilenstein in der Ausbildung waren und noch sind.

Ein persönliches Nachwort

Menschen, die für die Aus- und Weiterbildung verantwortlich sind, meinen sicher, hier nichts Neues zu erfahren. 25 Jahre Ausbildung waren für mich immer wieder eine neue Herausforderung.
Immer auf der Suche nach einem Erfolgsrezept, musste ich aber erkennen, dass jedes formalistische Ausbildungsprogramm den Menschen in seiner Unzulänglichkeit vergisst. Stoffpläne, Formprogramme, Leittexte sind zwar eine Hilfe, aber eben nur eine Hilfe. Ausbildungsfähigkeit bedeutet, dass die Voraussetzung zur Ausbildung vorhanden sein müsste, bevor die Ausbildung beginnt.
Die Zeit vor der Ausbildung ist von größter Wichtigkeit. Für das Berufsfindungsjahr, das mir vorschwebt, sollte in Verbindung mit den Ausbildungsbetrieben, mit den außerbetrieblichen Lehrwerkstätten und den Schulen gemeinsam ein Konzept erarbeitet werden, das eine Reform der Ausbildung ermöglichen könnte.

Eine Reform ist umso nötiger, da sich an den Prüfungsergebnissen ablesen lässt, dass immer mehr Auszubildende die Prüfung nicht bestehen und mehrmals (und oft auch dann ohne ausreichendes Ergebnis) ablegen müssen. Neben Fachbüchern empfehle ich die Schriften von Frey („Die Projektmethode“) und Wick („Bauhauspädagogik“)

Horst Wolfframm

Welche beruflichen Stationen gab es in ihrem Leben, nachdem Sie – 1939, also zu Kriegsbeginn – in Duisburg geboren wurden und auch dort die Schule besuchten?
HW
- Ausbildung zum Betriebsschlosser
- Schlossertätigkeit und Kraftfahrer, selbstständig
- Meisterprüfung im Kfz- und Metallbauhandwerk
- Ausbilder benachteiligter Jugendlicher bei der HWK Düsseldorf

Gab es ein berufliches Schlüsselerlebnis?
HW: Ja. Die Hilflosigkeit des Lehrlings und seine totale Abhängigkeit.

Gab es einen „Knick“ in Ihrem Berufsweg?
HW
: Ich erkannte, dass die herkömmliche Ausbildung für die Jugendlichen keinen wirklichen Erfolg bringen konnte. Meine Auseinandersetzung mit der konventionellen Ausbildung begann.

Welche Gedanken führten zur Richtungsänderung?
HW: Ich vermisste vor allem die Kreativität sowohl in der Vorgabe durch die Ausbilder und Lehrer als auch bei den Jugendlichen selbst. Mit der Projektmethode eröffnete sich für mich ein Experimentierfeld, auf dem die gestalterischen Elemente endlich die vermisste Kreativität weckten.

Gingen Sie konsequent in die neue berufliche Richtung?
HW: Ja. Bei den Vorbereitungen der jeweiligen Projekte sah ich das Metallhandwerk aus einem neuen Blickwinkel. Erste Erfolge ließen mich auf dem Weg weitergehen, zumal die Berührung mit Kunst und Gestaltung auch an mir nicht spurlos vorüber ging.

Hatten Sie Unterstützung?
HW: Verbale Unterstützung gab es, die Umsetzung wurde aber an entscheidenden Punkten gebremst, teils aus finanziellen, teils aber auch aus Kompetenzgründen.

Haben Sie daraufhin resigniert?
HW: Im Gegenteil. Ich bin verstärkt meinen Weg der Ausbildung gegangen, weil es der richtige Weg ist, auch wenn er oft steinig war.

Was ist Ihre Botschaft?
HW
: Wir sollten die Jugendlichen lehren, dass der Mensch ein Ganzes ist und dass jeder etwas lernen kann – und der Erfolg, auch der kleinste, motiviert und spornt an. Der Weg über die Entwicklung der Kreativität und über die Gestaltung gibt viele Möglichkeiten, die Sinne einzusetzen und nicht nur den Verstand. Herauszufinden, worin die Stärken der Jugendlichen liegen, ist Aufgabe der Lehrer, der Ausbilder und aller Pädagogen. Und deshalb mein Appell an diese Personengruppen: Seht euch den ganzen Menschen an, bildet den Menschen und nicht nur seinen Kopf und seine nützliche Arbeitskraft, sondern lasst Platz für Kreativität, Persönlichkeit und Selbstbewusstsein!


Kontakt zu Horst Wolfframm


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