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29.08.2012 Alter: 5 yrs

Notizen zur Stadtzerstörung.

Roland Günter, Juli 2012

   Es war eine Ideologie, Industrie und Wohnen zu trennen. In den 1970er Jahren wurde sie zugespitzt vom Abstandserlaß einer damals FDP-gesteuerten nordrhein-westfälischen Landesregierung. Diesen Erlaß kassierte 1980 der Minister des neu gegründeten Minsteriums für Stadtentwicklung Christoph Zöpel. Er wurde auch von seinen Nachfolgern nie mehr angewandt. Bis die Stadt Duisburg um 2008 wieder auf diesen verfehlten Gedanken kam.
   Vor den Toren des Thyssen-Werkes liegt ein hochinteressanter Stadtteil: Bruckhausen. Er zeigt die Stadt-Entwicklung eines Jahrhunderts. Damit ist er für die Metropole Ruhr, die sich mit einer Kette von Industrie-Denkmälern einzigartig profiliert aufstellte, der wichtigste urbanistische Bereich der Industriekultur. Und einzigartig – in dieser Weise anderswo nicht auffindbar. Der Perlen-Kette der Industrie-Denkmale fehlt bis heute der urbanistische Part. Dies wäre Bruckhausen, das nun durch Abrisswahn halbiert wird.
   Wenn die Stadt Duisburg ein wenig weiter  geschaut hätte als auf überholte banale städtebauliche Klischees,  würde sie den Kern von Bruckhausen als Gesamtes unter städtebaulichen Denkmalschutz gestellt haben: als Beispiel für Stadtentwicklung. So wird es noch heute gefordert. Auch für das, was nach den Zerstörungen noch übrig geblieben ist.
   Daß ein „Grüngürtel“ (im Volksmund „Lügengürtel“) entsteht, ist pure Behauptung. Als Park ausgegeben, ist er nicht mehr als ein ungefähr 100 m breiter Streifen Wiese. Dies nutzt niemandem. Aber diese dilettantische städtebauliche Absurdität zielt ja nicht wirklich auf Grün und Park, sondern ist ein maskierender Vorwand für Kahlschlag.
   In einem barbarischen Prozeß wird hier alle zwei Tage ein Haus zerstört – und dafür ein urbaner Stadtteil scheibenweise abgehobelt, der anderswo vorzeigbar  wäre.
   Dies geschieht auch mit Methoden, die zum Teil kriminell sind und selbst fahrlässige Tötung in Kauf nehmen (alles im Detail nachweisbar). Amtliches Bedauern oder Distanzierung oder „ordnende Maßnahmen dazu“ sind bislang unbekannt. Einwendungen bleiben unbeantwortet.
   Die Stadt behauptet, es wären „nur“ 121 von 640 Gebäuden.


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