Zum Inhalt | Zur Hauptnavigation |

Punktuell / linear / flächig

Umfassende Informationen in folgendem Buch:
Der zweite Blick – wann ist er wichtiger als der erste?
Gliederungsprobleme in Architektur und Design

Schriftenreihe des Deutschen Werkbund NW
‚Einmischen und mitgestalten’, Bd. 12
Klartext Verlag Essen, 2010, zahlreiche Abbildungen



Stimmen zum Thema

Der Werkbund steht für die angewandten Künste, für Künste, die sich in Bezug auf Einbettungen verstehen. In den Werkbundprojekten der Mitglieder sollten so viel wie möglich Mitglieder in irgendeiner Weise mitarbeiten.
Roland Günter

Der frühe Werkbund arbeitete an der ausgesuchten Qualität der Dinge. Der heutige Werkbund arbeitet eher an Erlebnissituationen. Die Fragen der Zweckmäßigkeit wurden abgelöst durch die Fragen der angemessenen Wahrnehmung.
Wolfgang Meisenheimer

Positive Wahrnehmung von Architektur auf Dauer hängt also davon ab, dass sie nicht  nur für den ersten, sondern auch für den zweiten Blick Gliederungselemente bietet. Hat der Deutsche Werkbund seinerzeit die gestalterischen Möglichkeiten aus-gelotet, die sich aus der Reduktion der Gliederungselemente ergeben, könnte er jetzt umgekehrt eine neue Differenzierung auf den Weg bringen.
Walfried Pohl

Die ‚Zwischentöne’ werden nicht nur aus Profilierungen, Kurven und ähnlichem be-stehen, sondern man wird neben der glatten Fläche die raue brauchen und, da diese nicht immer roh sein darf, die zur Form gewordene Rauheit, mit anderen Worten: das Ornament.Bruno Taut

Gerade die Gestaltungsprinzipien von Abstraktion, Reduktion und Einheitlichkeit negieren eine Vielzahl von funktionalen und emotionalen Bedürfnissen. Aus diesem Grunde sind die Architekten auf der Suche nach neuen Gestaltungskriterien und theoretischen Ansätzen, die eine vielfältigere und umfassendere Architektur zulassen. Wir sind auf der Suche nach einer abwechslungsreichen, komplexen und poetischen Architektursprache.
Ramon Sotelo

Die Problematiken unserer Zeit können nicht mehr durch Reduktion gespiegelt und bewältigt werden, unsere Welt ist im Begriff, immer komplexer und undurchschauba-rer zu werden und diese Welt muss in der Kunst reflektiert werden, obwohl die Reduktion die unbedingte Voraussetzung für die Freimachung einer neuen Komplexität war.
Ludwig Wilding

Kleinteilige Gliederung statt Ornament

„Gibt es eine Idee, die in der Werkbund-Bewegung sich durchhielte, da ist es die sachliche Zuständigkeit im Gegensatz zur losgelassenen Ästhetik“, so Theodor W. Adorno schon 1965. Aus dieser sachlichen Zuständigkeit ergab sich eine entsprechend sachliche Architektur, befreit von allzu extremen oder extravaganten Formen als ‚Form ohne Ornament’. Das bedeutete aber den Verzicht auf die kleinteilige Gliederung als der Wahrnehmungsebene der Architektur auf Nahsicht.

Doch es zeigt es sich, das Ornament war nur verdrängt, es kehrt wieder. Entweder werden die Baukörper selbst zu Megaornamenten verformt, oder ganze Gebäude  werden mit Flächenornamenten überzogen, die eher Muster als Ornamente sind. Jedes Mal ergibt sich eine kontextunfähige Solitärarchitektur, jedes Mal bleibt jedoch das Problem der Vermittlung nachhaltiger Wahrnehmungserlebnisse über eine klein-teilige Gliederung ungelöst.

Für den Deutschen Werkbund bietet es sich an, gegenüber dieser ‚losgelassenen Ästhetik’ seine ‚sachliche Zuständigkeit’ ins Spiel zu bringen und Tendenzen zu unterstützen, welche der kleinteiligen Gliederung wieder Raum geben als eine Rekon-struktion der Profilierung aus dem Geist der Moderne.

Kleinteilige Gliederung, dass bedeutet Einbettung. Die Kunst lässt sich in die Archi-tektur einbetten über ihre Minimalisierung als eine Kunst auf dem zweiten Blick. Kleinteilige Gliederungselemente lassen sich in die Großformen der Architektur ein-betten, und zwar punktuell und linear in Akzentuierung der Knotenpunkte und Kraftlinien der Architektur und flächig in Betonung der Kommunikationszonen. Dazu kommt die Einbettung ins Stadtbild.
Das Projekt bietet ein breites Anwendungsspektrum und vielfältige Beteiligungsmög-lichkeiten, hat gesamtgesellschaftlicher Bedeutung, weist einen größeren Gestaltungsspielraum auf als das traditionelle Ornament und wäre zudem in den Einzelmaßnahmen kostengünstiger als die beiden Gegenpositionen.


Zum Inhalt | Zur Hauptnavigation |