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Hohenhof vor der Privatisierung

Der Hohenhof in Hagen
Der Hohenhof in Hagen

Er gehört zu den ersten Stätten des Aufwachsens der Werkbunds: der Hohenhof in Hagen. Er ist mit seinem ausfächernden Netz der erste Werkbund-Biotop. Von hier aus liefen frühe Impulse zur Metropole Ruhr: zum Werden eines Kultur-Gebietes. In der Route der Industriekultur ist er ein Ankerpunkt. Und natürlich hat er seinen Platz im Konzept zur Welterbe-Erweiterung von Zollverein zur „industriekulturellen Landschaft Ruhr“. Die Stadt Hagen hat bislang wenig daraus gemacht. Das könnte viel mehr sein. Der Hohenhof wird ein Werkbund-Projekt. 

Aufruf zur Rettung

Innere Werte

Manifest des Deutschen Werkbunds NW und des 1. Vorsitzenden des Gesamt-Werkbund Deutschland zum geplanten Verkauf des Hohenhofes in Hagen.

   Einer der größten kulturellen Schätze der Welt soll zum Verkauf auf den freien Markt geworfen werden. Was dann mit ihm – und uns - geschieht, ist trotz Denkmalschutz unabsehbar. In Hagen erbte um 1900 der Bankiersohn Karl Ernst Osthaus ein immenses Vermögen. Er steckte es total in kulturelle Leistungen – und wurde damit einer der bedeutendsten Mäzene der europäischen Geschichte. Mit ihm beginnt die europäische Moderne. Als erster errichtete er ein Museum der Moderne mit einer umfangreichen Bilder-Sammlung von Künstlern, die er entdeckte und die später – bis heute – den Grundstock des Museum in Essen bilden.

   Zugleich förderte er als erster eine Anzahl Künstler, die dann zu Hauptfiguren in der Bau- und Kunstgeschichte wurden: Henry van de Velde, Walter Gropius, Peter Behrens, Bruno Taut, Lauweriks u. a. Ihre Werke bilden heute einen kulturell einzigartigen Biotop. Zudem zählt Osthaus mit diesen Künstlern zu den Gründern des Deutschen Werkbunds (1907) und bildete dessen Kern mit einer Fülle von kulturellen Unternehmungen: mit dem ersten Museum für angewandte Künste, auch in Form eines Wandermuseums, mit einer Vielzahl von Schriften, einem umfangreichen Bildarchiv, vielen Forschungen, einer Schule für Kunst-Handwerk, einer Silberschmiede, einer Künstlerkolonie und einer Arbeitersiedlung. Dies alles konzentrierte er in einer Garten-Vorstadt um den Hohenhof.
   Nach seinem frühen Tod mit 41 Jahren 1921 erlitt dieser umfangreiche Folkwang-Komplex einen harten Bruch – vor allem durch die fast übliche Ignoranz gegenüber kulturellen Leistungen, die ihren Höhepunkt nun im Skandal des Verkaufs findet. In der Zwischenzeit kam der Hohenhof zum Osthausmuseum - als Außenstelle. Er wurde ein Ankerpunkt der >Route der Industriekultur<, die von der Internationalen Bauausstellung Emscherpark (IBA) und dem Regionalverband begründet wurde.     

   Nun hat die schwarz-gelbe Landesregierung die Stadt Hagen wegen ihrer defizitären Haushaltslage, die inzwischen rund 200 Städte haben, dahin gepresst, den Hohenhof zum Verkauf zu stellen. Das Stadtparlament unterwarf sich dem Druck mit einem unbegreiflichen Gehorsam. Ein kulturelles Harakiri einer Stadt und eines Bundeslandes. Der Museumsleiter wehrt sich nicht – er hat kein Interesse am Hohenhof. Der Deutsche Werkbund verteidigt diesen kulturellen Biotop. Mit produktivem Ziel. Zunächst wies der Vorsitzende nach, dass die jährlichen Unterhaltungskosten ungerechtfertigt doppelt so hoch gerechnet wurden, um der Landesregierung Einspar-Potential vorzuweisen – was auch zugegeben wurde. Wenn der kulturelle Biotop nicht in sachgerechte Hände gerät, ist er in höchster Gefahr. Dazu gibt es so gut wie keine Auswahl. Der Werkbund bietet zwei sachgerechte und realisierbare Perspektiven an.

   Der Hohenhof kann sinnhaft eine weitere Außenstation des dezentralen Westfälischen Industriemuseums werden. Deren Mitarbeiter sehen diese Perspektive positiv. Ihr Programm würde vom Hohenhof mit seiner Architektur- und Design-Tradition abgerundet und mit einer weiteren außerordentlichen Qualität versehen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Träger des Museums müsste dazu gewonnen werden, diese auch für ihn einzigartige Chance zu nutzen. Der Regionalverband Ruhr hat in seinen Händen – auch nach Gesetz zugewiesen – die >Route der Industrie-Kultur<. Verbandsdirektor Heinz Dieter Klink möchte die Industrie-Kultur unter seinem Dach vereinigt haben – als wichtige Schiene der kulturellen Metropole Ruhr. Der Übergang kann ohne Geld geschehen, einzig durch Verschiebung. Die Kosten für den Betrieb des Hohenhofes sind vergleichsweise minimal. Die Bauten sind bereits gut restauriert. Der Fall ist insbesondere im Jahr der Kulturhauptstadt eine große Herausforderung.

   Im negativen Fall ein unfassbarer Skandal, der ein erbärmliches Licht auf viele namentlich zu nennenden Verantwortliche am Pranger der Geschichte wirft und peinliche Widersprüche offen legt.
   Im positiven Fall ein Zeugnis dafür, dass es im Land auch in schwierigen Zeiten Menschen gibt, die fähig sind, prozessual zu denken und Probleme produktiv zu lösen – mit Phantasie für Perspektiven. Der Deutsche Werkbund sieht im kulturellen Biotop Hohenhof die wichtigste Station seiner frühen Geschichte – ein Laboratorium für seinen Aufbruch und darüber hinaus für den kulturellen Aufbruch der Gesellschaft. Er wird auch das Verfahren betreiben, den Hohenhof in die UNESCO-Liste des Welterbes zu bringen. Wir rufen die Öffentlichkeit und die Presse auf, dies zu unterstützen.


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